Disclaimer:
Dieses Lernmodul ist Teil der Informationsplattform Wer, Wie Watt?, die im Rahmen eines Umweltbildungsprojektes erstellt wurde. Die hier dargestellten Informationen wurden von Zivildienstleistenden aus dem Naturschutz im Rahmen ihrer Ausbildung zusammen getragen. Mehr über das Projekt Wer, Wie, Watt erfahren Sie hier.

Meeresverschmutzung

von Fabian Förster & Malte Jansen,

Schutzstation Wattenmeer 

 

(zuletzt bearbeitet im März 2007) 

 

Die Nordsee ist eines der meist verschmutzten Meere der Welt (Lozan 2003).

 

 


Herzlich Willkommen!

Auf dieser Seite erfahren sie Wissenswertes über die Schadstoffbelastung der Nordsee und des Wattenmeers. "Schadstoff" ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl an chemischen Stoffen und Stoffgemischen, die sich schädlich auf die Umwelt, also auf Pflanzen, Tiere, Menchen, und damit ganze Ökosysteme auswirken.

Es ist nicht möglich, hier über alle Schadstoffe zu berichten - zumal alljährlich neu entwickelte chemische Verbindungen hinzukommen. Daher wird eine Auswahl an Stoffen behandelt, die für das Wattenmeer von großer Bedeutung sind oder waren. Dargestellt werden ihre Einsatzgebiete und die von ihnen ausgehenden Gefahren für den Menschen und für das Ökosystem. Vorangestellt ist eine allgemeine Einführung in die Wirkungsweise von Schadstoffen, in die Belastung des Wattenmeeres und der Nordsee,. Einige für die Nordsee besonders relevante Schadstoffgruppen werden in eigenen Infomodulen behandelt:

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis:
 Meeresverschmutzung
2.2. Pestizide
2.3. TBT
2.4. PCB
5. Quellen
 

1. 

Einführung

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Manche Schadstoffe, wie z.B. die Schwermetalle, waren schon immer im Meer enthalten, jedoch in viel niedrigeren Konzentrationen als heute. Seit der Industrialisierung vor knapp 100 Jahren hat sich ihr Anteil im Meer vervierfacht (Lozan et al. 2003). Schon in den 1960er und 70er Jahren wurde man auf die steigenden Konzentrationen von natürlichen und künstlichen Schadstoffen in der Nordsee aufmerksam, als man schwindende Seevogelbestände mit erhöhten Konzentrationen von Pflanzenschutzmitteln (z.B. DDT) in Verbindung brachte (Becker & Bruhn, 2003 aus SRU, S. 48). In seinem Sondergutachten "Umweltprobleme der Nordsee" machte der deutsche Umweltrat 1980 auf die besonders bedenklich hohen Konzentrationen von Schwermetallen und Chlorkohlenwasserstoffen hin. Er mahnte die Umweltpolitik, das Vorsorgeprinzip (Weblink Wikipedia) durchzusetzen und bezeichnete die Nordsee als Testfall für gute Umweltpolitik (SRO 1980, Tz. 476). In einer erneuten Bewertung im Jahr 2004 stellte der Umweltrat fest, dass dieser Test nicht bestanden worden war. Zwar konnte die Freisetzung einzelner Schadstoffe durch verschiedene Maßnahmen beachtlich verringert werden, doch insgesamt ist die Situation weiterhin alarmierend. Dies betrifft besonders persistente, also langlebige organische Schadstoffe (POP), hormonell wirksame Stoffe und einige Schwermetalle sowie sogenannte neue (polare) Stoffe. (SRU 2004, S. 139)

 

 

Warum ist die Nordsee so stark verschmutzt?

Die Nordsee wird von sieben hoch-industrialisierten Anrainerstaaten genutzt, vor allem als Transportweg, zur Fischerei und zur Rohstoffgewinnung. Sie ist aber auch eine wichtige Senke (Endlagerstätte) für Schadstoffe von Land. Diese werden über große Entfernungen mit dem Wasser der Flüsse und mit der Luft in die Nordsee getragen und dort abgelagert.

Die Nordsee ist ein relativ kleines, flaches Meer, und die Form des Meeresbodens zusammen mit den Strömungsverhältnissen in der Nordsee führt dazu, dass eingetragene Stoffe lange im Nordseewasser bleiben, bevor sie in den tieferen Nordatlantik getragen werden. Statistisch betrachtet verweilt ein Wassermolekül bis zu 3 Jahre in der Nordsee.

Der Meeresboden besteht überwiegend aus weichem Material wie Sand und Schlick. Hier lagert sich immerzu Material aus dem Wasser ab, während an anderer Stelle der Boden aufgewirbelt und damit abgelagerte Stoffe wieder freigesetzt werden. Das ist ein weiterer Grund, weshalb die Schadstoffe sehr lange in der Nordsee bleiben.

 

Abbildung links: Strömungsverhältnisse in der Nordsee.

Eine Simulation zum Schadstoffeintrag und weitere Informationen über die Nordsee finden sie in den Links auf der rechten Seite.

Was macht einen Schadstoff gefährlich?

Jeder Schadstoff wirkt auf eigene Art und Weise schädlich auf die Umwelt und die in ihr lebenden Organismen. Einige stören z.B. die Vermehrung, andere führen zu Leberschäden, schwächen das Immunsystem oder fördern die Ausbildung von Krebs.

Allerdings haben die meisten Schadstoffe neben der Giftigkeit (Toxizität) weitere gemeinsame Eigenschaften, die sie besonders gefährlich machen, und zwar Langlebigkeit (Persistenz) und eine Tendenz zur Anreicherung in Lebewesen (Bioakkumulation) und damit in der Umwelt. Man spricht daher in der Fachliteratur auch von PBT-Stoffen. Diese drei Eigenschaften werden im Kapitel 1.1 näher beleuchtet.

Eine erst in jüngerer Zeit beachtete gefährliche Stoffgruppe sind die sogenannten Endokrine, die nicht unbedingt PBT-Eigenschaften aufweisen, aber dennoch sehr problematisch sind. Sie stammen überwiegend aus Arzneimitteln und können den Hormonhaushalt von Lebewesen derart durcheinanderbringen, dass sich mitunter Männchen in Weibchen verwandeln. Auch hierzu mehr im Kapitel 1.2.

Wie kommen die Schadstoffe ins Meer?

 

Grundsätzlich gelangen Schadstoffe entweder über die Luft oder auf dem Wasserpfad in das Meer.

Aus der Luft werden die Stoffe entweder mit Regen in das Meer gebracht , oder sie sinken einfach aus der Luft ab. Die luftgetragenen Stoffe wurden oft weit entfernt von der Nordsee - mitunter außerhalb Europas - freigesetzt, so dass die tatsächlichen Quellen sehr schwer zu bestimmen sind. Hohe Schadstoffeinträge durch die Luft findet man vor allem im südlichen Nordseeraum, in der Nähe von Industriezentren.

Ein Teil der Schadstoffe wird direkt in das Wasser eingeleitet, z.B. aus Klär- und Industrieanlagen an der Küste, von Ölplattformen und anderen offshore-Einrichtungen, von Schiffen und aus der Marikultur. Besonders wichtig sind jedoch die Flüsse, die Schadstoffe aus dem gesamten Landgebiet sammeln und in das Meer tragen. Zu den aus der Luft abgelagerten Schadstoffen und Abwassereinleitungen kommen hier Schadstoffe von städtischen, landwirtschaftlich genutzten und anderen Flächen hinzu. (SRU 2004)

Man unterscheidet bei den Quellen von Schadstoffen sogenannte Punktquellen von diffusen Quellen.

Ein Trend in den Eintragswegen

Jeder Schadstoff wird zu unterschiedlichen Anteilen über die Luft oder das Wasser in die Nordsee eingetragen. Für viele altbekannte Schadstoffen, wie Quecksilber und Blei, ist eine Tendenz zu beobachten (siehe Abbildung): Früher geschah der Schadstoffeintrag hauptsächlich durch Abregnen aus der Atmosphäre, heute sind die Flusseinträge bedeutender. Die Quellen waren überwiegend die sieben Anrainerstaaten. Ein Großteil der Stoffe, die früher in die Atmosphäre abgegeben wurden, werden heutzutage durch Filteranlagen zurück gehalten und sind teilweise verboten. Da die üblichen Kläranlagen vorwiegend Feststoffe und gelöste Stickstoffverbindungen aus dem Abwasser entfernen, gelangen weiterhin zahlreiche Stoffe über das Abwasser - aus der Industrie aber auch aus den Haushalten - in die Flüsse und so dann auch ins Meer bzw. in die Nordsee.

Auf die derzeitige Belastung des Wattenmeers mit verschiedenen Schadstoffen geht das Kapitel 1.3 ein.

 

 

 

 

Abbildung: Eintragswege im Wandel der Zeit (aus: NPA 2004)

 

 

 

Alte & neue Schadstoffe

Eine große Zahl von chemischen Wirkstoffen wurde bereits vor Jahrzehnten eingesetzt und die von ihnen ausgehende Gefahr wurde inzwischen erkannt. Zu diesen so genannten Altschadstoffen gehören zum Beispiel PCB, TBT, und Dioxine. Die Konzentrationen dieser Stoffe im Meer und seinen Lebewesen werden regelmäßig überwacht. Für viele der Stoffe gibt es auch bereits Verbote in einzelnen Ländern oder sogar weltweit. 

Allerdings werden quasi täglich neue chemische Verbindungen hergestellt und auf den Markt gebracht. Meist werden diese vorher nicht eingehend auf mögliche Auswirkungen auf Mensch, Tier Pflanze untersucht. Erst nach und nach fördert die Wissenschaft Erkenntnisse über die Probleme, die einzelne Stoffe verursachen, zutage. Solche Stoffe, deren Auswirkungen noch weitestgehend unbekannt sind und die noch nicht routinemäßig überwacht werden bergen ein vollkommen unbekanntes Risiko.

 

 

1.1. 

Schadstoffe in der Umwelt

Schadstoffe sind giftig

Schadstoffe sind laut Definition giftig für die Tiere und Pflanzen des Meeres. Man nennt die Giftigkeit auch Toxizität. Die Wirkungen der einzelnen Stoffe sind sehr unterschiedlich. Häufig beobachtet werden z.B. Störungen bei der Vermehrung, Erhöhung des Krebsrisikos, Schwächung des Immunsystems und Leberschäden. Besonders Stoffe, die Chlormoleküle oder andere Halogene enthalten, sind sehr giftig.

Schadstoffe sind langlebig

Viele Schadstoffe sind gar nicht oder nur langsam abbaubar. Man spicht von einer hohen Persistenz. Das heißt, dass sie nach dem Eintrag lange Zeit in die biologischen und chemischen Kreisläufe im Meer eingebunden sind. Durch Ablagerung werden z.B. Schwermetalle im Boden eingeschlossen, können aber nicht von Bakterien abgebaut werden. Wenn anschließend durch Erosion, Baggerung oder Fischerei der Boden wieder aufgewühlt wird, dann werden auch die Schwermetalle wieder freigesetzt. Andere Stoffe bestehen aus sehr stabilen organischen Verbindungen. So verschwindet z.B. das bekannte und in Europa seit vielen Jahren verbotenen Pflanzenschutzmittel DDT erst nach 20 Jahren aus der Umwelt (Umweltlexikon Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen, 25.2.2007).

Schadstoffe sammeln sich an
Die meisten Schadstoffe sind fettlöslichen Chemikalien und werden deshalb im Fettgewebe der Tiere, die sie aufgenommen haben, eingelagert. Dazu gehören viele Pestizide, TBT, PCBs, (siehe Abbildung). Nur ein geringer Teil wird vom Körper ausgeschieden. Wird ein schadstoffbelastetes Tier nun von einem anderen Tier gefressen, so nimmt der Räuber die gesamte Schadstoffmenge aus dem Beutetier auf und lagert sie ein, so dass die Wirkung des Schadstoffs sich entsprechend steigert. Von einer Ernährungsstufe zur nächsten sammeln sich also die Schadstoffe in den Lebewesen an - man nennt das Bioakkumulation.

(Quelle: Lozan 2003, soweit nicht anders angegeben)

Von hohen Schadtsoffbelastungen betroffen sind besonders diejenigen Tiere, die am Ende der Nahrungskette stehen, die sich also von anderen Fleischfressern ernähren: Das sind im Wattenmeer Meeressäuger wie Schweinswale, Robben, Seehunde sowie einige Raubvögel und manche Fische.

Viele dieser Arten fressen sich bei guter Nahrungsverfügbarkeit eine Fettschicht an. Wenn diese Tiere dann auf ihre Fettschicht zurückgreifen (z.B. bei Nahrungsmangel im Winter oder in Fastenzeiten in Verbindung mit der Fortpflanzung), werden auch die Gifte frei gesetzt und entfalten ihre schädliche Wirkung im Organismus. Es wurden bei Meeressäugern Schadstoffkonzentrationen in der Speckschicht festgestellt, die 10-30 Millionen mal höher waren als diejenigen im Wasser.

(Quelle: Prowildlife)

Das Beispiel der Eiderente

Ein konkretes Beispiel aus dem Nordseeraum ist die Eiderente. In einer Studie in den Neederlanden (Swennen 1972, TNO-Nieuws 27: 556-560) wurden hohe Konzentrationen von Pestiziden in Eiderenten gefunden, die sich in erster Linie von Miesmuscheln ernähren. Miesmuscheln wiederum leben als Filtrierer: Sie nehmen Wasser auf und filtern die Nahrung (Plankton) aus dem Wasser. Die in der Nahrung enthaltenen Schadstoffe reichern sich in der Muschel an und verbleiben im Muschelgewebe. Jeder, der jetzt diese Muscheln isst - es spielt dabei keine Rolle, ob er Nahrungsopportunist ist wie der Mensch, oder einfach Kunsument II. Ordnung wie die Eiderente, - nimmt die Schadstoffe in sich auf. Auch für Menschen bestünde eine Gefahr, würden sie sich über längere Zeit (mehrere Wochen) nur von Miesmuscheln ernähren. Die Eiderente hat jedoch ein größeres Problem, denn das Weibchen frisst sich jedes Jahr mit Miesmuscheln eine Fettschicht an, die es für die Brutzeit braucht. Während der Brut verlässt das Weibchen das Nest nicht, weil die Eier nicht auskühlen dürfen. Das wiederum heißt, dass es von der Fettschicht zehrt. Dabei werden die Schadstoffe freigesetzt, die Ente vergiftet sich quasi selber und stirbt dann einen schmerzvollen und qualvollen Tod.

Das Problem mit dem Schadstoffcocktail

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Schadstoffproblematik ist die Wirkung verschiedener Schadstoffe auf einmal. Nimmt ein Lebewesen mehrere Schadstoffe gleichzeitig oder nacheinander auf (und dies ist normalerweise der Fall), so kann sich die Wirkung der einzelnen Stoffe verstärken. Lozan (2003) spricht von einer Steigerung der Wirkung um das Vierfache. Man nennt diese gegenseitige Verstärkung durch Zusammenwirkung auch Synergismus, zusammengesetzt aus den griechischen Worten für "mit" (syn) und "das Werk" (ergo).

 

1.2. 

Schadstoffbelastung von Nordsee & Wattenmeer

Die Meere sind durch ihre Größe und die große Menge an Wasser in der Lage, relativ große Mengen an Schadstoffen aufzunehmen und stark zu verdünnen, so dass die Konzentrationen auf ein ungefährliches Maß herabgesetzt werden . Allerdings kann auch das Meer - besonders flache Randmeere wie die Nordsee - nur eine begrenzte Menge an Schadstoffen aufnehmen. (SRU 2004, S. 48)

Merke: "Dilution is no solution for pollution!" (Verdünnung ist keine Lösung für Umweltverschmutzung!)

Wie misst man Schadstoffbelastung?

Weil Schadstoffe überall in der Umwelt vorkommen, misst man ihre Konzentrationen nicht nur im Wasser der Nordsee, sondern auch im Sediment, d.h. im Meeres- bzw. Wattboden und im Fettgewebe von Tieren. Konzentrationen im Wasser alleine sind wenig aufschlussreich, da sie auch starken natürlichen Schwankungen (z.B. durch starke oder weniger starke Wellendurchmischung) unterworfen sind. Um überhaupt bewerten zu können, ob ein Stoff in zu hohen Konzentrationen vorkommt oder nicht, benutzt man deshalb verschiedene Vergleichswerte:

Hintergrundkonzentration: Man nimmt an, dass diese Menge des Stoffes auch natürlicherweise im Ökosystem ist. In der Fachsprache nennt man diesen Wert BRC, das kommt von der englischen Bezeichnung Background/Reference Concentration.

ökologisches Bewertungskriterium: In Experimenten wurden Konzentrationen bestimmt, die für die Umwelt noch nicht als schädlich gelten. Auf Englisch heißt das Ecological Assessment Criterion und wird mit EAC abgekürzt.

(OSPAR, 2000b, S. 55 ff.)

Wie sehr sind Nordsee und Wattenmeer mit Schadstoffen belastet?

Obwohl viele Altschadstoffe teilweise längst verboten oder ihr Einsatz gesetzlich eingeschränkt wurde, ist die Meeresumwelt der Nordsee weiterhin belastet. Die in Jahrzehnten eingetragenen Schadstoffe und die immer noch andauernden Schadstoffeinträge haben zu erhöhten Konzentrationen in Sedimenten und in Meeresorganismen geführt. Besonders belastet sind die Flusseintragsgebiete und die
Küstenzonen in der Nähe von Industrieansiedlungen.

Im Wattenmeer nehmen die Konzentrationen vieler Schadstoffe im Boden und in den Lebewesen in den meisten Teilen des Wattenmeeres in den letzten Jahren ab. Allerdings verbreiten sich immer mehr neu entwickelte Substanzen (z.B. Flammschutzmittel, Nonylphenole, Antifoulingmittel), die teilweise die Hormonsysteme schädigen und deren Auswirkungen noch nicht abgeschätzt werden können. (TWS 2004)

Auf die Belastung von Nordsee und Wattenmeer mit einzelnen Schadstoffen geht das nächste Kapitel ein.

 

2. 

Um welche Schadstoffe handelt es sich?

Es gibt eine Vielzahl an gelösten Schadstoffen, die die Nordsee belasten. Sie entstehen bei diversen Produktionsprozessen und sind in vielen Produkten des alltäglichen Gebrauchs enthalten. An dieser Stelle werden einige wichtige, seit langem bekannte Schadstoffgruppen und neue organische Verbindungen vorgestellt:

 

Über andere Schadtoffe klärt Sie das Informationssystem "Schadstoffe von A-Z" auf (siehe Weblink). Informationen über Nährstoffverschmutzung, Ölverschmutzung und Müll im Meer finden Sie in separaten Infomodulen (Weblinks siehe unten).

 

 

 

 

2.1. 

Schwermetalle

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Was sind Schwermetalle und welche machen Probleme? 

Schwermetalle sind alle Metalle mit einem Gewicht von mehr als 4,5 g/cm³, die also 4,5mal so schwer sind wie Wasser. Sie sind nicht biologisch abbaubar wie organische Verbindungen und zerfallen auch nicht, wie es radioaktive Stoffe tun. Wenn sie irgendwo eingebracht worden sind, bleiben sie dort, bis sie woanders hin transportiert werden. Sie sind außerdem giftig und reichern sich im Gewebe von Tieren und Pflanzen an.

In der Nordsee haben vor allem die folgenden Schwermetalle Probleme hervorgerufen: die hochgiftigen Stoffe Cadmium, Blei und Quecksilber, daneben auch Kupfer, das zwar in geringen Konzentrationen ein essenzielles Spurenelement ist, aber in höheren Konzentrationen den Organismus schädigt. Schwermetalle können auch Verbindungen mit organischen Stoffen eingehen (siehe z.B. TBT).

Was bewirken Schwermetalle im Ökosystem?

1975 brachte man erstmals vermehrt auftrendende Fischkrankheiten in Verbindung mit verklappten Schwermetallen. (NPA, Nordsee und Wattenmeer - eine Zustandsbeschreibung) Auf die meeresbewohnenden Organismen wirkt sich zum Beispiel Quecksilber negativ aus, indem es Erbschäden verursachen und zu Missbildungen führen kann.

Wie kommen Schwermetalle in die Nordsee?

Nach wie vor stammt der größte Teil der Schwermetalle, die in die Nordsee gelangen, aus Industrieanlagen und Kraftwerken. Aber auch von landwirtschaftlichen Flächen werden große Mengen über die Flüsse in die Nordsee geschwemmt. Schwermetallhaltige Produkte wie cadmiumhaltige Akkus und Düngemittel, Bleiakkus, Bleilot, kupferhaltige Schiffsanstriche (als Ersatz für TBT) stellen immer noch ein Problem dar. Insgesamt wurde jedoch die Menge an Schwermetallen, die in die Nordsee eingeleitet werden zwischen 1985 und 1995 um 44 % (Cadmium & Quecksilber), 82 % (Blei), bzw. 22 % (Kupfer) verringert.

 

Wie stark sind Nordsee und Wattenmeer mit Schwermetallen belastet?

Insgesamt wurde jedoch die Menge an Schwermetallen, die in die Nordsee eingeleitet werden zwischen 1985 und 1995 um 44 % (Cadmium & Quecksilber), 82 % (Blei), bzw. 22 % (Kupfer) verringert. Die Schwermetallkonzentrationen in den Lebewesen der Nordsee sind deshalb heute nicht mehr so stark erhöht wie noch zu Beginn der 1980er Jahre. Der Sonderrat für Umweltfragen bewertet die derzeitige Situation als "begrenzt besorgniserregend". Bis 1995 gingen die Konzentrationen von Quecksilber, Cadmium und Kupfer in den Lebewesen zurück und blieben seitdem weitestgehend unverändert. Für Blei ist allerdings bislang keine deutliche Abnahme erkennbar. Vermutlich liegt das daran, dass ständig abgelagertes Blei aus den Sedimenten in das Wasser abgegeben wird wird.

In den Flussmündungen und an einigen Küstenabschnitten in der Nähe von Industriestandorten sind die Konzentrationen von Blei, Cadmium und Quecksilber sowohl in den Sedimenten als auch in den Meereslebewesen immer noch hoch. Sie liegen deutlich über den natürlichen Konzentrationen: z.B. wurden in Miesmuscheln bis zu viermal erhöhte Bleikonzentrationen und bis zu dreimal so hohe Quecksilberkonzentrationen gemessen. Für einige Seevögel ist ebenfalls noch nicht von einer Entwarnung zu sprechen: Die Quecksilbergehalte in Flussseeschwalbeneiern waren auch in vergangenen Jahren noch so hoch, dass möglicherweise weniger Eier ausgebrütet werden konnten als normal. Im Sediment des Wattenmeers werden im Vergleich zu den Hintergrundkonzentrationen zweimal so hohe Blei-, 3-5mal so hohe Cadmium, und 10-20mal so hohe Quecksilberkonzentrationen gemessen.

(Quelle: SRU 2004 und Zitate darin)

 

2.2. 

Pestizide

Was sind Pestizide?

Pestizid ist ein Sammelbegriff für chemische Substanzen, die lästige oder schädliche Lebewesen töten, vertreiben oder in Keimung, Wachstum oder Vermehrung hemmen. Dabei handelt es sich also um Gifte, die hauptsächlich in der Landwirtschaft, der Erwerbsgärtnerei aber auch in Kleingärten und im Haushalt eingesetzt werden, um Schädlinge unter den Insekten, Milben, Schnecken, Nagetieren, Bakterien und Pflanzen ("Unkraut") zu bekämpfen.

Zu den Pestiziden gehören zahlreiche Stoffe und Stoffgruppen (z.B. DDT, Lindan, TBT, Triazine und Diuron), von denen die meisten inzwischen in Deutschland verboten oder für bestimmte Zwecke nicht mehr zugelassen sind. Trotzdem treten sie weiterhin in hohen Konzentrationen in Wasser, Sedimenten und Lebewesen des Wattenmeeres auf. Vermutlich wurden die Stoffe in Landflächen gespeichert und werden nach und nach abgegeben.

Ältere Pflanzenschutzmittel (z.B. Lindan) waren meist fettlöslich, wohingegen neuere auch wasserlöslich sind (z.B. Atrazin, Simazin und Diuron). Letztere können in der Natur zwar leichter abgebaut werden, aber sie kommen auch in wesentlich höheren Konzentrationen im Meerwasser vor.

 

Wie kommen Pestizide in die Nordsee? 

Pestizide werden auf Felder gesprüht und sickern dann teilweise in den Boden ein oder werden durch Regen in die Flüsse und ins Grundwasser ausgewaschen. Auch mit Klärschlamm eingetragen oder die erwähnten Rückstände aus der Landwirtschaft und aus Privathaushalten werden über die Flüsse eingeleitet.


 

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Einige regelmäßig überwachte Pestizide

Lindan ist ein weit verbreitetes Insektizid (es tötet also Insekten), das in der Vegangenheit in großen Mengen als Pflanzen- Holz-, und Textilschutzmittel gegen Insekten, Milben, Flöhe und Läause eingesetzt wurde. Maximale Konzentrationen im Meerwasser wurden in den 1980er Jahren gemessen. Durch Einschränkungen der Verwendung sind diese seitdem stark gesunken. Der Eintrag liegt im Bereich von etwa 1 Tonne pro Jahr und geschieht überwiegend über die Flüsse (OSPAR 2002a aus SRU S.61). Seit 1995 werden in deutschen Gewässern steigende Konzentrationen in Meereslebewesen wie der Aalmutter und der Kliesche gemessen, wobei die Konzentrationen in der Leber der Fische bis zu 10.000mal höher waren als der Referenzwert (BLMP 2002 aus SRU, S61).

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DDT ist die Abkürzung für den Stoff Dichlordiphenyltrichlorethan. Es war über Jahrzehnte das weltweit meistverwendete Insektizid. Es tötet Insekten, wenn sie es mit der Nahrung aufnehmen oder auch bloß damit äußerlich besprüht werden. Es ist leicht herzustellen, sehr wirksam und für Säugetiere im Vergleich zu anderen Insektiziden relativ ungefährlich. Aber es war unter anderem für massive Einbrüche europäischer Greifvogelbestände verantwortlich. Deshalb wurde es in den meisten westeuropäischen Ländern in den 1970ern verboten. Inzwischen gibt es ein weltweites Verbot von DDT (siehe "Das dreckige Dutzend").

Für DDT und seine Abbauprodukte DDE und DDD wurde seit 1980 eine deutliche Abnahme der Konzentrationen in den meisten untersuchten Tieren und Pflanzen der deutchen Meere gemessen (HELCOM, 2002b, S. 133f.). Dies ist wohl auf das Verbot, das seit den 70er-Jahren gilt zurückzuführen.

 

Die Stoffgruppe der Triazine wird vor allem als Unkrautvernichtungsmittel im Pflanzenschutz eingesetzt. Zu den Triazinen gehören auch die Herbizide Atrazin und Simazin. Obwohl beide Stoffe in Deutschland nicht mehr zugelassen sind, belasten sie immer noch die Gewässer und die Sedimente des Wattenmeeres (WWF, 2003). Anfang der 1990er-Jahre wurde die großräumige Verteilung von Triazin-Herbiziden unter anderem in der Deutschen Bucht in Konzentrationen bis zu 360 ng/l belegt (WEIGEL, 2003). Bestimmte Triazine werden als Alternativen für Organozinnverbindungen eingesetzt und dementsprechend in hohen Konzentrationen im Meerwasser gemessen (WWF,2003). (aus: SRU 2004, S. 61)

 

 

Diuron ist ein Wirkstoff, der als Pflanzengift in Pflanzenschutzmittel eingesetzt wird. Es hemmt die Photosynthese, so dass Pflanzen nicht mehr wachsen können und absterben. Als so genanntes Totalherbizid wird Diuron hauptsächlich im kommunalen und privaten Bereich (u. a. Bahngleise, Grünflächen) eingesetzt. In der Deutschen Bucht wurden 1999 Diuron-Konzentrationen von 12 bis 160 ng/l gemessen. Ursache hierfür waren Diuron-Einleitungen aus der Weser. Diuron wird auch in Antifoulingfarben zur Bewuchsbekämpfung an Schiffsrümpfen eingesetzt. In verschiedenen Flussmündungen und küstennahen Meereszonen Großbritanniens wurde Diuron unter acht analysierten Bioziden am häufigsten und in den höchsten Konzentrationen (bis 6,7 mg/l) nachgewiesen (WWF, 2003). (aus: SRU 2004, S. 61)

Zusatzinfo: Wiki-Link (http://de.wikipedia.org/wiki/Diuron)

TBT ist ein schwermetallhaltiges Insektizid, das in einem gesonderten Kapitel vorgestellt wird.

 

2.3. 

TBT

Was ist Tributylzinn (TBT)?

TBT ist ein Kohlenwasserstoff, ein organisches Molekül, das das Schwermetall Zinn enthält. Es wurde lange Zeit als Schiffsanstrich verwendet, weil es verhindert, dass sich auf dem Schiffsrumpf Seepocken und andere Tiere ansiedeln, die die fahrenden Schiffe bremsen und deshalb den Treibstoffverbrauch erhöhen. In der EU dürfen Schiffsfarben, die TBT enthalten, seit 2003 nicht mehr produziert und nicht mehr verwendet werden. Sportboote dürfen bereits seit über zehn Jahren nicht mehr mit TBT bestrichten werden.

 

Wie kommt TBT in die Nordsee?

Von den Schiffsrümpfen wird TBT kontinuierlich abgegeben. Besonders wenn alte Schiffsanstriche erneuert werden, gelangt viel TBT ins Wasser. Deshalb kam das meiste TBT aus Häfen und Trockendocks. Auch Abwasser aus der Industrie enthielt häufig viel TBT (WEIGEL, 2003).

Was bewirkt TBT im Wattenmeer?

 

TBT wird für das dafür verantwortlich gemacht, dass verschiedene Schneckenarten, wie z.B. die Wellhornschnecke, die Netzreusenschnecke und die Purpurschnecke weitestgehend aus dem Wattenmeer verschwunden sind (Kock, 1998). Insgesamt wurde 160 Arten Schaden zugefügt (Lozan 1990).

An Wellhornschnecken (siehe Bild) wurde in Frankreich und den Niederlanden nachgewiesen, dass TBT die weiblichen Geschlechtsorgane in männliche umwandelt, was zur Unfruchtbarkeit bei Wellhornschnecken führt. Schon bei einem Milliardstel Gramm im Wasser kann diese Geschlechtsumwandlung ausgelöst werden . Die Konzentration im Meer - auch in der südlichen Nordsee - ist allerdings oft noch deutlich höher. Daher ist mit einer Wiederausbreitung der verschwundenen Meeresschnecken erst nach Abnahme der TBT-Konzentration im Nordseewasser zu rechnen.

Auch auf andere Lebewesen in der Nordsee hat das TBT negative Auswirkungen. So löst es bei Jungfischen eine Schwächung des Immunsystems und bei Krebsen eine Störung der Regenerationsfähigkeit aus. Bei Miesmuscheln treten Wachstumsstörungen und Entzündungen auf.

Wie viel TBT findet man in der Nordsee und im Watt?

Im Jahr 2004 sprach der deutsche Sonderrat für Umweltfragen von "weiterhin bedenklich hohen TBT-Konzentrationen im Nordseewasser und im Sediment von Häfen, in Flüssen und anderen Schifffahrtswegen". Die Konzentrationen waren viel höher als der von den Nordseeanrainern vorgeschlagenen unbedenklichen Konzentrationen:

Auch in Tieren wurden viel höhere Konzentrationen gemessen, z.B. bis 300fach höhere Konzentrationen in Muscheln aus Häfen. Muscheln im Wattenmeer hatten in ihrem Gewebe Ende der 1990er Jahre keine erhöhten TBT-Konzentrationen.

(OSPAR, 2000b, S. 67)

 

2.4. 

PCB

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Was sind PCBs?

PCB steht für Polychlorierte Biphenyle, es sind also bestimmte organische Substanzen, die mehrere Chlormoleküle, die allgemein sehr giftig sind, enthalten. Sie sind in der Umwelt extrem langlebig und mittlerweile überall in Lebewesen, Wasser, Luft und Boden nachweisbar.

Es gibt gut 100 verschiedene PCBs, die unterschiedlich giftig und unterschiedlich weit verbreitet sind. Sie wurden als Flammenschutzmittel, Weichmacher in Lacken und Klebstoffen und als Hydraulikflüssigkeit verwendet. Die Herstellung und Verbreitung von PCB ist in Deutschland seit 1989 verboten, weltweit seit 2001 (siehe "Das dreckige Dutzend"). Dennoch ist bisher keine Tendenz zur Abnahme der Umweltbelastung zu erkennen.

 

 

Wie kommen PCBs in der Nordsee?

PCBs gelangen überwiegend auf dem Luftwege in die Nordsee. Die PCBs stammen hauptsächlich aus häuslichen Abfällen und Altlasten, zum Beispiel wenn kleine, PCB-haltigen Kondensatoren nicht sachgemäß entsorgt werden. Vor allem durch Verdampfung gelangt das PCB in die Luft. Weil PCBs schlecht wasserlöslich sind, ist PCB im Wasser hauptsächlich an Schwebeteilchen wie Sand und Pflanzenreste gebunden. Die Konzentrationen im Meerwasser sind sehr gering, meist unter einem Milliardstel-Gramm (1 ng/l). (SRU 2004, S. 59)

Die exakten PCB-Einträge sind allerdings schwierig zu bestimmen. Für den Zeitraum 1992-1994 schätzte man die Deposition aus der Luft in die Nordsee auf 3-7 Tonnen pro Jahr, wohingegen die Fluss- und Direkteinleitungen lediglich 0,13 bis 2,4 Tonnen pro Jahr geschätzt wurden (Zeitraum: 1990-96) (OSPAR, 2000a, S.54 aus SRU).

 

Abbildung: PCB - Einträge aus Flüssen sind stark zurück gegangen.

Wie schaden PCBs?

 

Durch Strömungen in Wasser und Luft wird es global verbreitet und durch die Nahrungskette erfolgt eine Anreicherung. Im Menschen als Endglied der Nahrungskette reichert sich PCB in besonders hohem Maße an. Dies zeigt sich in einem besonders hohen PCB-Anteil in Frauenmilch. Vordergründig kann PCB Leberschäden bei Menschen und Tieren hervorrufen. Sie äußern sich unter anderem in einer Vergrößerung und Verfettung der Leberzellen. Weiterhin können Veränderungen im Stoffwechsel, Störungen des Immunsystems und Hautreaktionen auftreten. (Jeroschewski 1999)

Seit 1989 sind die Herstellung und Verbreitung von PCB in Deutschland verboten. Dennoch ist bisher keine Tendenz zur Abnahme der Umweltbelastung zu erkennen.

Abb.: Konzentrationen des Schadstoffes PCB am Beispiel der Flussseeschwalbe (Quelle: NPA)

Wie viel PCB findet man im Wattenmeer?

Für die Konzentrationen in Sedimenten gibt es einen ökologischen Grenzwert, der vorläufig gilt, nämlich 10 µg/kg, d.h. 10 Millionstel Gramm PCB pro Kilogramm Sediment. Im Wattenmeerboden liegt die Konzentration ungefähr in diesem Bereich, während in den Mündungen von Ems und Elbe Konzentrationen von 430 µg/kg gemessen wurden. In Miesmuscheln der deutschen und belgischen Küste wurde eine PCB-Art (CB153) mit 12fach höherer Konzentration als der festgelegte, akzeptable Hintergrundwert bestimmt. (SRU 2004 und Quellen darin)

 

2.5. 

Neue organische Verbindungen

Was versteht man unter neuen organischen Verbindungen?

Während die bislang beschriebenen Stoffe bereits vor Jahrzehnten als umweltgefährlich erkannt, eingehend untersucht und teilweise verboten wurden, sind neue organische Verbindungen erst seit relativ kurzer Zeit in Gebrauch. Deshalb sind ihre Auswirkungen noch wenig bekannt, und sie werden noch nicht überwacht. Somit können sie sich weiter im Wattenmeer und anderen Ökosystemen anreichern. Auch im Wattenmeer sammeln sich Stoffe, für die sehr schädliche Auswirkungen befürchtet und teilweise schon nachgewiesen sind. Die neuen organischen Verbindungen sind im Wattenmeer in noch viel höheren Dosen nachgewiesen worden als zum Beispiel PCB.

Hohe Konzentrationen von neuen organischen Verbindungen werden selbst in Meerestieren und in marinen Meeressäugern der Arktis gefunden. Auch in der Muttermilch von Inuitfrauen in Nordkanada wurden kurzkettige Chlorparaphine nachgewiesen. (SRU 2004, S. 63)

 

Kurzkettige Chlorparaphine werden in Kühl- und Schmierflüssigkeit in der industriellen Metallbearbeitung verwendet und für Lederfett, für Flammschutzmittel in Gummi und Textilien und für Filmbildner in Farben und Lacken eingesetzt.

Nonylphenol fällt hauptsächlich als Zwischenprodukt bei der Herstellung anderer Chemikalien (u. a. Nonylphenolethoxylate) an. Nonylphenol ist außerdem ein Abbauprodukt der Nonylphenolethoxylate, die vielfältige Anwendung finden, unter anderem als Tenside in Industriereinigern, als Lösungsvermittler in der Leder-, Textil- und Papierindustrie sowie als Zusatzstoffe in Pflanzenschutzmitteln. Die Konzentrationen an Nonylphenol sind in den letzten 10 bis 20 Jahren, zumindest in einigen Gegenden, deutlich zurückgegangen (OSPAR, 2001f). Es werden allerdings immer noch sehr hohe Konzentrationen in den Sedimenten der Elbe (107 μg/kg) und der Schelde (300 μg/kg) gemessen (OSPAR, 2000b, S. 73). (SRU 2004, S.63)

Bromierte Flammschutzmittel (Polybromierte Diphenylether, PBDE) werden Kunststoffen und Textilien zugesetzt, um sie schwer entflammbar zu machen. Weltweit werden jährlich rund 70 000 Mg PBDE produziert (UBA, 2003c). PBDE werden im Meerwasser, in Sedimenten und in Fischen nachgewiesen. Hohe PBDE-Konzentrationen wurden auch im Fettgewebe mariner Säuger gefunden (OSPAR, 2000b, S.71)

Die früher hauptsächlich eingesetzten Nitromoschusverbindungen wie Moschusxylol und Moschusketon werden aufgrund toxikologischer Bedenken zunehmend durch polyzyklische Moschusverbindungen ersetzt (WEIGEL, 2003). Sie werden als Duftstoffe in Kosmetika und Waschmitteln eingesetzt. In Proben der Umweltprobenbank des Bundes wurden zum Teil extrem hohe Belastungen mit polyzyklischen Moschusverbindungen nachgewiesen (UBA, 2003b).
 

3. 

Naturschutzperspektive

Ziel des Naturschutzes es ist, den Naturhaushalt zu bewahren bzw. wiederherzustellen. Dabei ist es natürlich immer von Nöten, Probleme als Ganzes anzuschauen, also von den Quellen bis zu den Auswirkungen einer Beeinträchtigung. Die Meeresverschmutzung stellt einen störenden Einfluss auf das Ökosystem Meer dar, der dieses in seiner Funktion als Lebensraum und Rohstoffproduzent beeinträchtigt. Maßnahmen zur Vermeidung von Meeresverschmutzung bezeichnet man daher als Umweltschutz.

Der Nationalpark schleswig-holsteinisches Wattenmeer dient dem Naturschutz und setzt den Umweltschutz voraus. Gleichzeitig will die Umweltbildungsarbeit im Nationalpark bei den Besuchern das allgemeine Umweltbewusstsein fördern.

Eine unmittelbare Wirkung des Nationalparks im Bezug auf Schadstoffe ist schwierig zu formulieren, denn das Nationalparkgesetz hat keine Auswirkungen auf Schadstoffquellen und -einträge. Daher wird es in diesem Kapitel vorwiegend um Aspekte des Umweltschutzes gehen, die in Zusammenhang mit dem Ziel stehen, das Wattenmeer als Naturraum zu erhalten.
 

3.1. 

Internationale Umweltschutzpolitik im Nordseeraum

Weltweite Begrenzung der Meeresverschmutzung durch MARPOL

 

Das MARPOL- Übereinkommen ist ein internationales, weltweit geltendes Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt durch Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe. Es besteht aus dem Artikelteil mit allgemeinen Vorschriften und Begriffsbestimmungen sowie aus sechs Anlagen, die bestimmte Teilbereiche der Meeresverschmutzung durch Schiffe regeln. Das Übereinkommen und die Anlage I sind 1983, die übrigen Anlagen zu späteren Zeitpunkten in Kraft getreten. Die einzelnen Anlagen regeln folgende Teilbereiche:

Anlage I: Verhütung der Verschmutzung durch Öl

Anlage II: Verhütung der Verschmutzung durch schädliche Stoffe, die als Massengut befördert werden (also Chemikalien, die durch Chemikalientanker transportiert werden).

Anlage III: Verhütung der Verschmutzung durch Schadstoffe, die in verpackter Form befördert werden (also z.B. gefährliche Güter in Containern)

Anlage IV: Verhütung der Verschmutzung durch Schiffsabwasser

Anlage V: Verhütung der Verschmutzung durch Schiffsmüll

Anlage VI: Regeln zur Verhütung der Luftverunreinigung durch Seeschiffe

Die Anlagen I, II, IV und V regeln u.a., ob und unter welchen Voraussetzungen Ölrückstände, Chemikalien, Schiffsabwasser und Müll ins Meer eingeleitet werden dürfen. Nach Anlage I ist über den Verbleib von Ölrückständen (aus dem Maschinenraum bzw. den Ladetanks des Schiffes) ein Öltagebuch, nach Anlage II über den Verbleib geladener Chemikalien ein Ladungstagebuch und nach Anlage V über den Verbleib von Schiffsmüll ein Mülltagebuch zu führen. 

Die größte Bedeutung hat Anlage I von MARPOL, die sich mit der Verhütung der Verschmutzung durch Öl befasst. In der Regel sollen ölhaltige Rückstände im Hafen an Auffanganlagen abgegeben werden. Ähnlich verhält es sich bei Rückständen aus der Ladung von Chemikalientankern. Je nach Gefährlichkeit der Chemikalie kann aber auch ein Einleiten ins Meer unter strengen Voraussetzungen und in sehr geringer Menge erlaubt sein. Ist ein Meeresgebiet um MARPOL-Sondergebiet ernannt, dürfen dort keinerlei Einleitungen der benannten Stoffgruppen erfolgen. Die Nordsee ist bisher Sondergebiet für Öl und Schiffsmüll.

 

Die Nordsee-Anrainer formulieren Ziele

Nachdem die Reduktion der Schadstoffeinträge in die Nordsee bereits seit 1984 international in den entspechenden politischen Gremien diskutiert und erste Schritte hierzu eingeleitet wurden, legten die Anrainerstaaten 1995 das so genannte Generationenziel fest (INK 1995).

Danach sollen innerhalb einer Generation (bis 2020) die Einleitungen, Emissionen (Freisetzung) und diffusen Verluste von gefährlichen Stoffen aus Produkten und ihren Herstellungsprozessen beendet werden.

Langfristig, also über das Generationenziel hinausgehend, sollen die natürlichen Stoffkonzentration in der Meeresumwelt erreicht bzw. wiederhergestellt werden. Für die synthetischen Stoffe bedeutet das Konzentrationen „nahe Null“, für natürlich vorkommende Substanzen Konzentrationen nahe den natürlichen Hintergrundwerten.

Das Generationenziel ist eine Art freiwilliger Vereinbarung, die im Rahmen der internationalen Meeresschutzinitiativen INK und OSPAR (siehe Modul Nordsee) geschlossen wurde. Deshalb kann es nicht mit rechtlichen Mitteln durchgesetzt werden. Wenn ein Land das Ziel verfehlt, können keine Strafen verhängt werden. Im Fachjargon spricht man von einem "soft-law" (weiches Gesetz).

Die EU gibt den Rahmen vor

Im Gegensatz zum Generationenziel, sind die Vorgaben der EU rechtlich verbindlich, so dass Verstöße gegen EU-Recht mit Strafen belegt werden können. Allerdings ist der Nordsee-Anrainer Norwegen nicht EU-Mitgliedstaat, so dass Norwegen nicht zur Umsetzung von EU-Recht verpflichtet ist.

In den vergangenen Jahren wurden mehrere EU-Richtlinien verabschiedet, die für die Einbringung von Schadstoffen in die Nordsee von Bedeutung sind. Die wichtigsten sind die Wasserrahmenrichtlinie (siehe Link zu Lernmodul) aus dem Jahr 2000 und die gemeinsame Chemikalienpolitik (siehe Zusatzinfo Erläuterungstext), die unter dem Namen REACH läuft. Die Wasserrahmenrichtlinie hat das Ziel, Flüsse, Seen und Küstengewässer der EU in einen ökologisch guten Zustand zu bringen, und zwar bis 2015. Für Schadstoffe bedeutet das ein Reduktion auf Konzentrationen nahe Null - wie im Generationenziel formuliert. Mit der REACH-Richtlinie soll die Untersuchung schädlicher Folgen von neuen und bereits eingesetzten Chemikaien verbessern.

Diese Richtlinien müssen nun von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden, d.h. bestehende Gesetzte müssen geändert und neue Gesetze erlassen werden. Außerdem müssen die Regierungen dafür sorgen, dass die Einhaltung der Gesetze auch überprüft wird, was besonders im Meeresbereich mitunter schwierig ist.

Die EU-Mitgliedstaaten sollen den Rahmen ausfüllen

Diese Richtlinien müssen nun von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden, d.h. bestehende Gesetzte müssen geändert und neue Gesetze erlassen werden. Außerdem müssen die Regierungen dafür sorgen, dass die Gesetze eingehalten werden und Verstöße dagegen bestraft werden. Das ist aber auf dem Meer oft schwierig, weil man häufig nicht feststellen kann woher Giftstoffe genau kommen und wer für die Verschmutzung verantwortlich ist.

Aber: wenig passiert & viel zu langsam

Die Bemühungen der einzelnen Nordsee-Anrainer, das Generationenziel zu erreichen, waren bisher viel zu zaghaft. Erst die rechtlich bindenden Vorgaben der EU führen nun dazu, dass in den Mitgliedstaaten entsprechende Gesetze erlassen werden. Erfahrungen mit anderen Richtlinien wie der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie zeigen jedoch, dass selbst EU-Recht nicht überall und vor allem nicht schnell genug umgesetzt wird. Außerdem sind die EU-Richtlinien in einigen Bereichen nicht streng genug, um das Generationenziel zu erreichen. Der deutsche Sachverständigenrat für Umweltfragen mahnt daher, dass zusätzliche Maßnahmen nötig sind und die Staaten schneller handeln müssen (SRU 2004).

 

3.2. 

Alternativen & Forderungen

 

Allgemein steht in diesem Kapitel die Forderung im Raum, etwas gegen die Umweltverschmutzung in den Meeren und ganz explizit in der Nordsee zu unternehmen. Es gibt in vielen Angelegenheiten Alternativen, die verwendet werden können.

Der deutsche Rat von Sachverständigen für Umweltfragen (SRU) hat zu diesem Thema schon im Jahre 1980 Empfehlungen herausgegeben: Jeder Nordsee-Anrainerstaat sollte etwas unternehmen, d.h. in seiner Umweltpolitik Gesetze formulieren, die die Freisetzung von schädlichen Stoffen in die Umwelt unterbinden. Bei einer erneuten Bewertung der Umweltsituation in der Nordsee im Jahr 2004, wurde klar: Das Ziel wurde verfehlt.

Der Rat konnte aber positiv feststellen, dass auf der Internationalen Nordsee Konferenz (INK) seit dem Jahr 1984 mehrere Gesetze veranlasst wurden, die über 30 Schadstoffe betreffen und deren Nutzung regulieren und durch Reduzierung zum kompletten Freisetzungsstopp bis 2020 führen sollen. Doch dem oben genannten Sondergutachten zufolge reichen die bislang verabschiedeten Gesetzt nicht aus, die Freisetzung der entsprechenden Stoffe tatsächlich bis 2020 zu beenden. Ein weiteres Problem in Deutschland ist, dass EU-Recht oft weniger streng ist als ohnehin schon in Deutschland geltende Gesetze. Daher drohen durch Gesetzesnovellen auf der Basis von EU-Direktiven Rückschritte in der Schadstoffbekämpfung.

(Quelle: SRU 2004)

 

Im Folgendem werden einzelne Alternativen besprochen und erläutert. Wir bitten zu entschuldigen, dass wir nicht jede einzelne Alternative auflisten können. Dies soll vielmehr ein Auszug sein, der in jeder Hinsicht noch erweitert werden kann.

Alternative Anstriche zu TBT

Als Alternative zu TBT-Anstrichen kommen verschiedene Möglichkeiten in Frage. Die Schiffe könnten statt mit TBT mit Kupfer bestrichen werden. Da Kupfer jedoch ebenfalls, wenn auch in geringerem Maße giftig ist, sollte es keine relevante Alternative bilden. Zum einen könnten die Schiffsrümpfe mit Silikon so glatt gemacht werden, dass kein Bewuchs mehr möglich ist. Dies lehnen die Reedereien jedoch aus Kostengründen ab. Eine andere Möglichkeit wird in selbstreinigenden Anstrichen gesehen. Diese kopieren das Prinzip des „Brotkrumenschwamms" und des Pottwals, welche sich selber schützen indem sie mit der Zeit „abschuppen".

 

Schwermetalle

Der Umweltrat benennt eine Reihe von konkreten Maßnahmen zur Verringerung der Schwermetallfreisetzung (SRU 2004, S. 58):

 

4. 

Nutzerperspektive

Schadstoffe werden nicht in die Umwelt entlassen, um dieser zu schaden. Sie sind vielmehr Bestandteile oder Abfallstoffe von Produkten oder Produktionsprozessen die wichtig für unseren Alltag sind. Sie erleichtern uns allen das Leben, indem sie zum Beispiel unsere Lebensmittel kühlen, Farben haltbar machen, oder Ameisen aus unserer Küche vertreiben. Die umweltschädliche Wirkung solcher Stoffe wird vor allem durch die Masse an freigesetzten Stoffen und durch die ungeheure Vielfalt an verschiedenen Schadstoffen zum Problem. Häufig waren die Gefahren für die Umwelt bei der Zulassung eines Stoffes nicht bekannt, in anderen Fällen wurden Befürchtungen ignoriert. Heutzutage weiß man jedoch um die Gefährlichkeit vieler bekannter Stoffe. Der beste Weg, die Umwelt vor den (mitunter noch unbekannten) Auswirkungen schädlicher Stoffe zu schütze, ist sie vorsichtshalber nicht einzusetzen. Man spricht hier vom Vorsorgeprinzip. Wir wünschen uns, dass auch die Nutzer dieses Prinzip endlich anerkennen und anwenden.
Immerhin gibt es mittlerweile Bemühungen, neu entwickelte chemische Verbindungen durch wissenschaftliche Untersuchungen auf ihre möglichen Auswirkungen hin zu untersuchen und ihren Einsatz durch strengere Zulassungsverfahren zu kontrollieren. Hier einige informative Weblinks zu Schadstoffpolitik und Schadstoffen im Alltag:

In diesem Kapitel wollen wir auf die Sichtweise der Nutzer von meeresverschmutzenden Stoffen eingehen. Aber: Wer sind denn eigentlich die Nutzer?

Zu den "Nutzern" meeresverschmutzender Stoffe kann man zum einen die Verbraucher zählen (siehe Kapitel 3.1). Jeden Tag nutzen sie, oft ohne es zu wissen, Produkte, die entweder Giftstoffe enthalten (die sie durch das Benutzen freisetzen), oder bei deren Herstellung Schadstoffe freigesetzt wurden. Jeder einzelne Verbraucher hat also die Möglichkeit seinen Beitrag zur Verschmutzung der Meere zu identifizieren und ihn zu veringern, indem er Produkte verwendet, die keine oder weniger giftige Stoffe enthalten als ein anderes Produkt mit der gleichen Wirkung.

Dem gegenüber stehen diejenigen, die oben beschriebene Produkte herstellen, also Wirtschaftskonzerne bzw. Firmen (siehe Kapitel 3.2). Sie sind in der Lage, die Schadstofffreisetzung durch Einsatz moderner Technologien zur Abwasser- und Abgasreinigung bzw. durch Verwendung alternativer Grundstoffe zu minimieren. Sie tragen also eine große Verantwortung gegenüber der Umwelt aber auch gegenüber den Verbrauchern. Leider geben wiederholte Skandale um verschiedene Firmen aus der chemischen Industrie Anlass dazu, daran zu zweifeln, dass die Firmenleitungen dieser Verantwortung tatsächlich nachkommen möchten.

Wenn Sie sich für konkrete Alternativen oder Lösungsvorschläge interessieren, dann finden sie ein paar Anregungen im Kapitel 3.2.

 

 

4.1. 

Die doppelte Rolle der Verbraucher

Wir als Verbraucher sind im Rahmen des Themas "Meereserschmutzung" zweierlei: zum einen Verursacher von Meeresverschmutzung, die eine Verantwortung dafür tragen, welche Produkte wir nutzen, zum anderen Geschädigte, weil wir Schadstoffe, die in die Nahrungskette eingebracht wurden, aufnehmen und dadurch gesundheitlichen Schaden davontragen können.
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Verbraucherverantwortung

Über sein Kaufverhalten kann der Verbraucher Einfluss darauf nehmen, welche Produkte verwendet werden und dementsprechend, welche produziert werden müssen. Auch wenn der einzelne Verbraucher sich häufig machtlos fühlt und den Eindruck hat, als einzelner ohnehin nichts verändern zu können, misst die Bundesregierung den Verbrauchern eine große Bedeutung bei: Die Verbraucher spielen "eine zentrale Rolle bei der Verwirklichung einer sozial verträglichen und generationengerechten Gesellschaftsordnung, die wirtschaftlich tragfähig ist und gleichzeitig den Belangen des Umweltschutzes und dem schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen gerecht wird" (BMVEL 2004).

Allerdings kann der Verbraucher nur verantwortungsvoll handeln, wenn er Zugang zu ausreichenden Informationen hat, um sich für das eine oder das andere Produkt zu entscheiden. Heute steht man in allen Bereichen - sei es die Ernährung, der Haushalt oder der Bürojob - vor einer sehr großen, manchmal unüberschaubren Auswahl an Produkten. Diese werden in immer komplexeren Verarbeitungsprozessen hergestellt (BMVEL 2004), die der einfache Verbraucher nicht ohne weiteres überblicken kann. Um dem interessierten Verbraucher Entscheidungen zu erleichtern, verteilt man Qualitätssiegel für verschiedene Kriterien, wie umweltverträgliche Herstellungsprozesse, Verzicht auf bestimmte Inhaltsstoffe u.ä. Beispiele hierfür sind der Blaue Engel und die Euroblume. Solche Siegel gibt es mittlerweile in einer verwirrenden Fülle. Das Web-Portal Label-online erklärt und bewertet einen Großteil der hierzulande üblichen Gütezeichen. Auch Einkaufsführer wie Öko-Fair erleichtern die Auswahl beim Einkauf. Allerdings bleibt die Verantwortung dafür, sich ausreichend zu informieren, weiterhin bei jedem einzelnen Verbraucher. Leider scheint für viele Konsumenten das alles entscheidende Kriterium der Preis zu sein, so dass die oft teureren, umweltverträglichen Produkte häufig im Regal stehen bleiben.

Verbrauchergefährdung

Obwohl wir wissen, dass Gefahren von Giften ausgehen, nehmen wir sie zu uns: Meistens weil wir nicht wissen, wo sie überall vorkommen. Doch es gibt viele Untersuchungen, die belegen, dass der Verzehr von Meeresfrüchten weltweit eine Hauptquelle für die Belastung es menschlichen Organismus mit Schadstoffen, insbesondere mit Schwermetallen, ist (Dougherty et al. 2000). Die Belastungen der Organismen der Nordsee sind jedoch bis auf einige Ausnahmen an der norwegischen Küste bei gelegentlichem Verzehr unkritisch.

 

5. 

Quellen

Literatur

BMVEL - Bundesministerium für Verbaucherschutz, Ernärhung und Landwirtschaft (2004): Verbraucherpolitischer Bericht 2004, BMVEL-0-15-7, 42 S.

Kock, K. (1998): Das Watt - Lebensraum auf den zweiten Blick (7), S.138-139

Dougherty, C. P., S. Henricks Holtz, J.C. Einert, L. Panyancosit, D.A. Axelrad, T.J. Woodruff (2000): Dietary exposures to food contaminants across the United States. Environmental Research 84 (2), S. 170–185.

Lozan, J.L., Rachor, E., Reise, K., Sündermann, J., v. Westernhagen, H. (2003): Warnsignale aus Nordsee & Wattenmeer - eine Umweltbilanz, aktualisierte Auflage, 448 Seiten, ISBN 3000101667

NPA (2004): Nordsee und Wattenmeer - eine Zustandsbeschreibung, Informationsheft, Landesamt für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (NPA), Tönning

Paul Jeroschewski (1999): Eigenschaften und Verhalten umweltrelevanter Stoffe, Lernheft des Fernstudiums Umweltschutz, Universität Rostock, Seitenanzahl

Heike Wells (2005): Alte Munition im Watt eine ökologische Zeitbombe? - Meeresbiologen und Umweltschützer schlagen Alarm; Schleswig-Holsteinische Zeitung vom 19.05.05

SRU (2004): Meeresumweltschutz für Nord- und Ostsee, Sondergutachten des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen, im Auftrag der Bundesregierung, Drucksache 15/2626, 265 S.

Swennen (1972): TNO-Nieuws Nr.27, S. 556-560

 

 

 

Webseiten

 

www.prowildlife.de: "Alarmzustand im Meer" (www.prowildlife.de/de/Projekte/Wale/Wale_Umwelt/wale_umwelt.html, Stand: 17.3.2007)

www.cordis.europa.eu (cordis.europa.eu/tdsp/de/sat/05.htm, Stand: 3.5.2007)

www.br-online.de : "Pseudohormone - Eine Gefahr wird unterschätzt" (2004) (www.br-online.de/umwelt-gesundheit/unserland/landwirtschaft_forst/landw_verbraucher/pseudohormone.shtml (Stand: 3.5.2007)

 

6. 

Zu Autoren und Projekt

Das vorliegende Themenmodul ist Ergebnis des Projektes Wer, Wie, Watt? - Ein online Informationssystem zu Nutzungen und Schutz im Wattenmeer.

Im Zeitraum von Oktober 2006 bis Mai 2007 arbeiteten im Rahmen des Projektes 42 Zivildienstleistende verschiedener Umweltinstitutionen Schleswig-Holsteins und Niedersachsens an der Infoplattform. Ziel ist es, über verschiedene Nutzungen des Wattenmeers und daraus erwachsenden Konflikte aufzuklären.

Das Infosystem wird auch künftig zur Dokumentation von Projektarbeiten an der Schutzstation Wattenmeer dienen. Projektarbeiten können im Rahmen der Ausbildung von Zivildienstleistenden, Teilnehmerinnen des Freiwilligen Ökologischen Jahres oder auch im Rahmen des Studiums angefertigt werden. Die im Naturschutz Engagiertebekommen so die Gelegenheit, die von ihnen zusammen getragenen Informationen einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Dieses Modul wurde erstellt von Fabian Förster & Malte Jansen.

Fabian Förster, ich bin 20 Jahre alt und verrichte gerade meinen Zivildienst auf der Hallig Hooge in der Nordsee. Für mich war relativ schnell klar, dass ich meinen Zivildienst im Umweltschutz/Naturschutz machen will. Deshalb hab ich mich dann auch darum gekümmert. Außerdem wollte ich unbedingt ans Meer, weil ich nach dem Zivi Meeresbiologie studieren will und mich dann am liebsten auf die Meeressäuger spezialisieren möchte. Ursprünglich komme ich aus Berlin und deshalb ist so eine Hallig schon ein kleiner Kulturschock für mich, aber ich freue mich hier zu sein und dieses Jahr wird später mal zu einer meiner größten Erfahrungen zählen. Ich freue mich an der Natur zu sein und dann auch in ihr zu arbeiten. Kann ich nur empfehlen!!!!!!

Kontakt: Fabian-2610@web.de

Fabian Förster: Ich bin 20 Jahre alt und verrichte gerade meinen Zivildienst auf der Hallig Hooge in der Nordsee. Für mich war relativ schnell klar, dass ich meinen Zivildienst im Umweltschutz/Naturschutz machen will. Deshalb hab ich mich dann auch darum gekümmert. Außerdem wollte ich unbedingt ans Meer, weil ich nach dem Zivi Meeresbiologie studieren will und mich dann am liebsten auf die Meeressäuger spezialisieren möchte. Ursprünglich komme ich aus Berlin und deshalb ist so eine Hallig schon ein kleiner Kulturschock für mich, aber ich freue mich hier zu sein und dieses Jahr wird später mal zu einer meiner größten Erfahrungen zählen. Ich freue mich an der Natur zu sein und dann auch in ihr zu arbeiten. Kann ich nur empfehlen!!!!!!

Kontakt: Fabian-2610@web.de

 

 

 

 

 

Auf der Fähre nach Hooge

 

 

Die Autoren verrichteten 2006/2007 ihren Zivildienst bei der Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer e.V.

Ziel des 1962 gegründeten privaten Vereins ist es, durch vielfältiges Wirken Verständnis und Faszination für das "Ökosystem Wattenmeer" und die Nordsee zu wecken, und somit Schutz und Schutzbereitschaft für diese Lebensräume zu erhöhen.

 

7. 

Impressum & Kontakt

Website:

www.ikzm-d.de/werwiewatt

 

Rahmen:

Das online Infosystem Wer, Wie, Watt? dient seit Herbst 2006 zur Dokumentation der Projektarbeiten von Zivildienstleistenden, FÖJ-TeilnehmerInnen, PraktikantInnen und weiteren bei dem gemeinnützigen Verein Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer e.V. Engagierten. Projekte können zum Beispiel Teil von Ausbildungsseminaren oder Studium sein. Die erste Version des Infosystems wurde von Zivildienstleistenden des Jahrganges 2006/2007 im Rahmen eines Kooperationsprojektes der gemeinnützigen Vereine EUCC-Deutschland und Schutzstation Wattenmeer erstellt.

 

Inhalt:

 

 

 

Träger:

Einführung in die wesentlichen menschlichen Nutzungen und Einflüsse auf das Wattenmeer sowie Betrachtung von Konflikten, die sich aus den unterschiedlichen Perspektiven der Naturschützer und der Nutzer ergeben.

 

Das Infosystem Wer, Wie, Watt? wird angeboten von den Vereinen Naturschutzgesellschaft Wattenmeer e.V. und EUCC-Die Küsten Union Deutschland. Die Schutzstation Wattenmeer bildet im Auftrag des Landes Schleswig-Holstein Zivildienstleistende (ZDL) aus dem Naturschutz aus. Die EUCC-Deutschland setzt sich mit Aktivitäten im Bereich der Küstenbildung, der Informationsverbreitung und der Netzwerkarbeit für die nachhaltige Entwicklung der deutschen Küsten ein. Sie hat im Rahmen des Projektes das online-Werkzeug IKZM-D-Lernen bereit gestellt und sich an der Betreuung der ZDL beteiligt.

Gewähr/ Haftung:

Bei der Erstellung der Informationsmodule wurde große Sorgfalt geübt. Da es sich bei dem Infosystem um die Dokumentation der Projektarbeit von ZDL handelt, übernehmen die Träger für Aktualität und Richtigkeit der Inhalte keine Gewähr. Bei der Einstellung der Links waren uns keine unsittlichen und unseriösen Inhalte der verlinkten Seiten bekannt. Sollte Ihnen eine verlinkte Seite unseriös erscheinen, weisen Sie uns bitte darauf hin.

Urheber- und Kennzeichnungsrecht:

Es sind alle uns bekannten Quellen der verwendeten Texte, Abbildungen, Karten etc. gekennzeichnet. Sollte eine urheberrechtlich geschützte Fotographie verwendet worden sein, so geschah dies unbeabsichtigt. Entdecken Sie einen Fehler, so bitten wir Sie, sich an die unten genannten Kontaktadressen zu wenden und uns darauf aufmerksam zu machen.

Kontakt:

EUCC-Die Küsten Union Deutschland e.V.: eucc [@] eucc-d.de

Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer e.V.: r.borcherding [@] schutzstation-wattenmeer.de