Disclaimer:
Dieses Lernmodul ist Teil der Informationsplattform Wer, Wie Watt?, die im Rahmen eines Umweltbildungsprojektes erstellt wurde. Die hier dargestellten Informationen wurden von Zivildienstleistenden aus dem Naturschutz im Rahmen ihrer Ausbildung zusammen getragen. Mehr über das Projekt Wer, Wie, Watt erfahren Sie hier.

Öl in der Nordsee

von Frieder Barthel & Verena Lutz,

Schutzstation Wattenmeer

 

(zuletzt bearbeitet im April 2007) 

 

 

30 Tonnen Öl gelangen in jeder Stunde in die Nordsee (van BERNEM 1996).

 

 

 

Die Folge sind: vergiftete Vögel und Meerestiere sowie Öl an Stränden und Urlaubsgästen. Doch wie kann es sein, dass eine solche Menge einer schädlichen Substanz in die Nordsee gelangt?

Das Naturprodukt Erdöl ist Welthandelsgut Nr. 1. Die zunehmende wirtschaftliche Nutzung durch den Menschen seit Beginn des 20. Jahrhunderts brachte einen regen weltweiten Öltransport, die gewinnung surch Bohrinseln im Meer und die verwendung als Schifftreibstoff. All diese Aktivitäten bringen Ölaustritte und eine Gefährdung der Meeresumwelt mit sich. Im Wattenmeer können Ölverschmutzungen besonders starke und langanhaltende Schäden hervorrufen. 

In diesem Modul sollen die Ursachen der Ölverschmutzung der Nordsee, deren Folgen für die Umwelt und der Interessenskonflikt zwischen Naturschutz und Wirtschaft betrachtet werden.

Abbildung: Ein Beispiel der Ölverschmutzung: Der brennende Holzfrachter Pallas 1998 vor Amrum - 245 t ausgelaufenes Heizöl kosteten 16.000 Vögel das Leben.
Inhaltsverzeichnis:
 Öl in der Nordsee
4. Quellen
 

1. 

Allgemeine Informationen

Inhaltsverzeichnis:
1. Allgemeine Informationen
 

1.1. 

Bedeutung und Vorkommen von Erdöl

Wie entsteht Erdöl?

Erdöl ist ein fossiler Brennstoff. Es wurde vor Jahrmillionen herausgebildet und befindet sich in abgeschlossenen Lagerstätten im Gestein der Erde. Es ist eine begrenzte Ressource, die eines Tages aufgebraucht sein wird.

Erdöl entsteht aus der Zersetzung von abgestorbenen pflanzlichen und tierischen Lebewesen, die sich auf dem Boden, z.B. dem Meeresgrund ablagern. Durch die Vermischung mit Sedimenten entsteht ein unverfestigtes feinkörniges Erdölmuttergestein. Durch weitere Auflagerung gerät das Erdölmuttergestein allmählich in tiefere Schichten. Dadurch steigt in ihm der Druck und die Temperatur (bis max 200 °C). Bei der Umwandlung der organischen Bestandteile zu Erdöl wirken Bakterien mit. Die organischen Substanzen werden schließlich zu einfachen Kohlenwasserstoffen abgebaut.

Die Bildung von Erdöl dauert normalerweise sehr lange, geht aber auch manchmal – an geologischen Zeitmaßstäben gemessen – sehr rasch vor sich. Sie benötigt teilweise, unter einem Zusammenspiel von den besten Voraussetzungen (Temperatur, Druck, Zusammensetzung), nicht mehr als 10.000 Jahre, normalerweise etwa 350 bis 400 Mio. Jahre (Wikipedia: Erdöl 2006).

Die so entstandenen Kohlenwasserstoffverbindungen lagern sich im Grundgestein von unten nach oben in der Reihenfolge Erdwachs, salzhaltige Ölwässer, Schweröl, Leichtöl und zuoberst Erdgas ab.

(Quelle: Groth 2004 sofern nicht anders angegeben)

Welche Bedeutung hat Öl für uns?

Erdöl als Ausgangsstoff zur Erzeugung von Treibstoffen und Grundstoff der chemischen Industrie ist bedeutendster Rohstoff der Industrienationen. Ohne Öl würden keine Autos fahren und viele Heizungen kalt bleiben. Auch ein Großteil der alltäglichen Gebrauchsgegenstände - seien es Textilien, CDs, der Bildschirm, vor dem man sitzt, Farben, Wasch- oder Arzneimittel - verdanken ihre Existenz gänzlich oder zumindest teilweise der Kunstoffindustrie und somit deren Grundstoff, dem Öl. In den Industrienationen sind alle Lebensbereiche der Menschen massiv von Öl abhängig. Deshalb hat Erdöl eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Durch die Begrenztheit und die weltweit ungleichmäßige Verteilung der Ölvorkommen ergibt sich außerdem eine große politische Bedeutung für das Erdöl.

Ölförderung in der Nordsee

Erdgas und Erdöl werden in der Nordsee seit Ende der 1960er-Jahre gefördert (OSPAR 2000). Seit den 1990ern befinden sich in der Nordsee über 450 Öl- und Gasförderinseln (Gee et al. 2006), die 1999 insgesamt 6 Millionen Barrel Erdöl gefördert haben. Die meisten Förderinseln befinden sich in der zentralen und nördlichen Nordsee und werden von Norwegen, England und den Niederlanden betrieben.
In der deutschen Bucht steht seit 1985 die einzige deutsche Erdölförderplattform, die Mittelplate A, im Wattenmeer vor Dithmarschen. Das gleiche Ölfeld beutet die Bohrstation Dieksand I aus, die binnendeichs in Friedrichskoog steht.
Die von Deutschland geförderte Ölmenge ist im Vergleich zur Gesamtförderung in der Nordsee verschwindend gering. Sie beläuft sich auf 500.000 Tonnen Erdöl pro Jahr (OSPAR 2000). Das Konsortium RWE-DEA, das das Ölfeld in Dithmarschen nutzt, bezeichnet dieses Ölvorkommen jedoch als „bedeutend". Von insgesamt 100 Mio. Tonnen seien 40 % gewinnbar (RWE DEA & Wintershall AG 2006), was dem Bedarf der Bundesrepublik Deutschland bei einer autarken Versorgung von 14 Tagen entspricht.

 

Abb.: Diese Karte der Nordsee zeigt die Standorte der Öl-und Gasplattformen in der Nordsee, ebenso Pipelines und Kabel.
 

1.2. 

Wie gelangt Öl in die Nordsee?

Jedermann kennt die alarmierenden Meldungen über verunglückte Öltanker und andere Unfälle, bei denen auf einmal große Mengen von Öl austreten und sich als Ölteppich über große Gebiet ausbreiten. Allerdings wird auch im Alltag an vielen stellen - auch in der Nordsee - Öl in kleineren Mengen freigesetzt, das die Meeresumwelt schädigt. Obwohl von der Öffentlichkeit kaum beachtet, gelangt durch die "schleichende Ölpest" der chronischen Einleitungen mehr Öl in die Nordsee als durch Tankerunglücke. Im folgenden werden die Anteile einzelner Einleitungsformen betrachtet. Allerdings muss gesagt werden, dass die Schätzungen von Öleinträgen in die Nordsee immer noch sehr ungenau sind (SRU 2003), da die Überwachung bislang keine exakten Aussagen zulässt.

Einleitungen von Land

Das meiste Öl stammt von Industrieanlagen, vor allem Raffinerien, welche sich in Küstennähe oder an Flüssen, die in die Nordsee münden, befinden. Die landseitige Einleitung ist für 48% des gesamten Öleintrags verantwortlich (NVN/BSH, 1998). Der Öleintrag über Flüsse ist eine diffusen Quelle, d.h. eine Quelle ohne definierten Ausgang. An Land austretendes Öl wird mit dem Regenwasser in die Flüsse getragen. Da die Fläche, von der das Wasser in die Flüsse fleißt, sehr groß ist, sind nur schwierig verlässliche Informationen zu erhalten. Im Allgemeinen sind Schadstoffeinträge über Flüsse seit Mitte der 80er Jahre rückläufig (SRU 2003).

Abbildung: Raffinerien

(Dieses Bild stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und wird unter der GNU-Lizenz vom Autor Gerd W. Zinke freigegeben.)

Einträge aus der Seeschiffahrt

Für 23% des Öleintrags ist die Seeschifffahrt verantwortlich (NVN/BSH, 1998). Viele Schiffe fahren mit Rohöl, das nur rund 3 Cent pro Liter kostet, dafür aber von so schlechter Qualität ist, dass es nicht vollständig verbrannt werden kann. Die hochgiftigen Rückstände werden dann von manchen Schiffen einfach in's Meer geschüttet. Desweiteren leiten manche Öltanker ihr Tankwaschwasser ein. In beiden Fällen wollen die Reeder vor allem den Zeitverlust, der durch die ordnungsgemäße Entsorgung in den Häfen entstehen würde, vermeiden.

(Quelle: van BERNEM 1996)

Abbildung: Ölflecken in der Nord- und Ostsee im Jahre 2001. 596 Ölflecken wurden per Luftüberwachung entdeckt. Sie lagen vorrangig entlang der Hauptschifffahrtsrouten.
Laut MARPOL Übereinkommen 73/78 – Anlage I – ist das Einleiten von ölhaltigen Gemischen aus dem Waschen von Öltankschiffen verboten und die Beseitigung ölhaltiger Rückstände aus der Brennstoffaufbereitung stark beschränkt. Es zeichnet sich auch ein Rückgang dieser Einleitungen ab, trotzdem lässt sich anhand der gemessenen Belastungen entlang der Hauptschifffahrtsrouten erkennen, dass erhebliche Ölmengen nach wie vor illegal in die Nordsee geleitet werden (SRU 2003).

Einleitungen von Ölbohrinseln

 

Ölbohrinseln sind für 20% der chronischen Ölverschmutzung verantwortlich (NVN/BSH, 1998). Das Öl gelangt bei der Förderung in Form von Bohrschlämmen oder Produktionsabwässern ins Meer. In unmittelbarer Nähe der Ölbohrinseln ist oftmals der Meeresboden mit Bohrgut überdeckt, was zur vollständigen Vernichtung der am Boden lebenden Organismen führt (van BERNEM, 2003). Nach Angaben der OSPAR-Kommission leiteten die sich vorrangig im englischen und norwegischen Sektor befindlichen Ölplattformen im Jahr 2002 täglich 1,3 Millionen Kubikmeter ölhaltiges Produktionswasser in die Nordsee. Mithilfe technischer Maßnahmen konnte die Freisetzung von Öl bei der Förderung in den letzten Jahren aber trotz steigender Produktion reduziert werden (SRU 2003).

Eineltungen durch Tankerunglücke

Tankerunglücke sind Ursache für 9% des in die Nordsee gelangenden Öls, allerdings ist dieser Wert aufgrund der Unregelmäßigkeit und Unvorhersehbarkeit dieser Ereignisse logischerweise besonders starken Schwankungen unterworfen (NVN/BSH, 1998). In den letzten 15 Jahren gab es 3 Tankschiff-Unfälle ("Braer" 1993, "Sea Empress" 1996, "Erika" 1999), bei denen insgesamt 170000 t Öl in die Nordsee bzw. unmittelbar angrenzende Meeresgebiete gelangten (SRU 2003). Statistisch gesehen ist ein Tankerunglück schon längst wieder überfällig.

Problematik Schiffssicherheit (einwandige Tanker, Hafenstaatenkontrollen, Qualifikation der Besatzungen, sichere Navigation (Lotsen), Haftung) folgt fb

 

 

Abbildung: Der 1978 vor der Bretagne verunglückte Öltanker "Amoco Cadiz". Es gelangten 223.000t Rohöl ins Meer.

(Dieses Bild stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und wurde unter der GNU-Lizenz vom Autor United States Federal Government freigegeben.)

Einträge über die Luft

Weiterhin gelangen flüchtige Ölbestandteile über die Atmosphäre durch Niederschläge in die Nordsee. Vor allem Auto- und Industrieabgase sind hierfür verantwortlich. Aber auch Abgase aus der Schifffahrt sind hochproblematisch: das im Seeverkehr regelmäßig als Schiffstreibstoff eingesetzte Bunker-C-Öl (welches in Deutschland nicht einmal als Straßenbelag verwendet werden dürfte) wird in Ermangelung internationaler Abgasvorschriften weiterhin legal als Schiffskraftstoff verwendet. Die für die Seeschifffahrt geltenden Standards hinken in dieser Hinsicht denen an Land weit hinterher (SRU 2003)

Abbildung: Auspuff eines PKW.

(Dieses Bild stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und wurde unter der GNU-Lizenz vom Autoren steevven1 freigegeben.)

(Quelle der prozentualen Angaben: NVN/BSH, 1998)

 

2. 

Die Perspektive der Nutzer

Wer hat einen Nutzen von der Förderung und dem Transport von Erdöl und welche Interessen haben diese Gruppen? Öl spielt eine so bedeutende Rolle im Leben der Menschen, dass die wichtigsten Nutzergruppen nur kurz vorgestellt werden können:

Interessen der Ölproduzenten

Die Betreiberfirmen von Ölbohrplattformen wie der weltweit größte Mineralölkonzern Chevron Texaco (in Deutschland bekannt als Esso), Shell oder BP gehören zu den umsatzstärksten Konzernen überhaupt. Ihr Interesse ist die gewinnbringende Förderung des Erdöls und damit verbundene weitere Interessen wie die Erschließung neuer Ölfelder. In Anbetracht der Endlichkeit fossiler Rohstoffe investieren einige Mineralölkonzerne verstärkt in die erneuerbaren Energien. (Greenpeace)

Interessen der Verbraucher

In Deutschland wurden 2003 insgesamt 115 Millionen Tonnen Mineralölprodukte verbraucht. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag bei 11,7 Barrel (zum Vergleich: USA 26 Barrel, China 1,7 Barrel, Bangladesch 0,2 Barrel). Den Menschen in den Industrienationen ermöglicht das Öl einen hohen Lebensstandard. Im Interesse der meisten Verbraucher liegt es, diesen Lebensstil beizubehalten. Weiterhin glauben viele Bundesbürger auch, dass Deutschland genug für die Umwelt tut. Fakt ist, dass die Möglichkeiten, die Nordsee bzw. das Wattenmeer zu schützen, nicht immer ausgeschöpft werden, wie folgendes Beispiel zeigt: bei der Anmeldung des Wattenmeeres bei der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO als "Besonders empfindliches Seegebiet" (Particularly Sensitive Sea Area - PSSA) erklärte der Verkehrsminister, dass keine neuen Schutzmaßnahmen gegenüber den Gefahren der Schifffahrt ausgewiesen würden, weil es bereits ausreichende Schutzmaßnahmen gebe. (ERBGUTH et al., 2002, S.232)

Staatsinteressen

Da die Nachfrage nach Erdöl unbebrochen groß und das Angebot weltweit begrenzt ist, ist Öl ein Produkt mit enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Industriestaaten haben großes Interesse daran, die für ihre Grundversorgung essentiellen Rohstoffen, also vorrangig Erdöl, möglichst auf eigenem Territorium zu fördern um die Importabhängigkeit zu reduzieren. Die Nordsee-Anrainerstaaten mit großen Ölvorkommen wie Großbritannien oder Norwegen streben auch finanziellen Profit  vom Export des Öls an. So besitzt z.B. der Staat Norwegen selbst die Mehrheit der Anteile am landesgrößten Konzern Statoil.

Der Wunsch nach Unabhängigkeit von Erdölimporten ergibt sich aus der politischen Bedeutung des Öls: Erdöl war und ist Gegenstand oder Auslöser zahlreicher zwischenstaatlicher Auseinandersetzungen und wird häufig als politisches Druckmitel eingesetzt. Beispiele hierfür sind das Abstellen der Zulieferung von russischem Erdöl an die Ukraine im Winter 2005/2006. Auch Kriegshandlungen jüngerer Zeit werden mitunter mit dem Drang nach Kontrolle wichtiger Ölvorkommen in Zusammenhang gebracht, z.B. der Bürgerkrieg in Tschetschenien und der Irakkrieg seit 2003.  

 

3. 

Naturschutzperspektive

Inhaltsverzeichnis:
3. Naturschutzperspektive
 

3.1. 

Auswirkungen

Wie wirkt Öl? 

Öl kann die Oberflächen von Tieren und Pflanzen bedecken, sodass lebenswichtige Poren und Membranen verstopft werden. Diese augenfällige Auswirkung setzt sofort nach Austreten des Öls ein und hält solange an, bis das Öl nicht mehr klebt. Darüber hinausist Öl aber auch giftig, was sich wesentlich schwerer zeigen und nachweisen lässt. Die giftigsten Ölbestandteile, die sofort töten können, verdampfen bereits kurz nach dem Ölaustritt in die Luft. Die übrigen Giftstoffe wirken oft erst nach Monaten oder Jahren. Das zeigt sich dann zum Beispiel durch geringere erfolge bei der Fortpflanzung, durch erhöhte Krebsraten oder einfach eine höhere Anfälligkeit gegenüber Krankheiten.    

Was beeinflusst die Wirkung eines Ölunfalls auf ein Ökosystem?

Wie sehr Öl ein Ökosystem schädigt ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Während ein Ölteppich an einem Strand nach zwei bis drei Jahren vollständig verschwunden sein kann, verbleiben an einem anderen Strand größere Ölreste im und auf dem Strandboden über Jahrzehnte. Ähnliches gilt für die Auswirkungen auf Tiere und Pfanzen. Wenn man die Auswirkungen eines Ölunfalls abschätzen will, sind besonders wichtig: 

(van BERNEM 1996)

Auswirkungen auf einzelne Tiergruppen

Vögel

Die durch häufige Mediendarstellung bekannteste Auswirkung von Ölunfällen auf Tiere ist die Schädigung von Wasservögeln, und tatsächlich wird diese Tiergruppe bei Ölunfällen sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Besonders betroffen sind Vögel, die den Großteil ihres Lebens schwimmend oder tauchend verbringen wie Alken, Meeresenten und Seetaucher. Schon eine Gefiederverölung vom Ausmaß eines 2-Euro-Stückes kann einen Vogel töten, da das Öl durch den Putzinstinkt in den Magen-Darm-Trakt gelangt und dann zu inneren Verletzungen, u.A. Schädigungen von Leber und Niere, führt, welche oftmals den Tod zur Folge haben. Ist das Gefieder eines Vogels zu großen Teilen verölt, so geht die Wärmeisolation verloren. Untersuchungen von Gefiederproben ergaben, dass der Großteil der in Dänemark, den Niederlanden und Deutschland verölt aufgefundenen Vögel durch Brennstoffrückstände von Schiffen getötet wurde (BSH).

Werden verölte Vögel lebendig entdeckt, so besteht die Möglichkeit, diese entweder per Hand oder in einer speziellen Waschanlage zu reinigen. Zwischen Tierschützern und Naturschützern gibt es grße Meinungsverschiedenheiten über den Sinngehalt derartiger Maßnahmen:

Link http://www.waddensea-secretariat.org/oelvoegel/4rettung/rehabilitation.htm (D.Fleet/Reineking)

Link Vereinigte Ölvogelhilfe Deutschland e.V.

Fische
Fischeier und Jungtiere unterliegen hoher Gefährdung, da sie sich meist in Oberflächennähe befinden und allgemein eine hohe Empfindlichkeit gegenüber toxischen Substanzen aufweisen. Adulte Fische kommen meist nicht mit auf der Wasseroberfläche schwimmendem Öl in Kontakt und erleiden deshalb zumeist kaum Schäden durch Ölunfälle. 
Meeressäuger
Bei in der Nordsee lebenden Säugetieren wie Seehunden, Kegelrobben und Schweinswalen, welche kurzes bzw. kein Fell haben sind keine durch äußerliche Verölung entstehende Schäden bekannt. Das Einatmen flüchtiger Bestandteile des Öls kann das Nervensystem der Säugetiere schädigen.
Pflanzen
Bedeckt Öl die Oberfläche einer Pflanze, kann diese keinen Stoffwechsel mehr betreiben und stirbt folglicherweise ab. Daraus ergibt sich, dass Pflanzen ohne unterirdische Fortpflanzungsorgane (z.B einjährige Pflanzen wie der Queller) besonders stark von Ölverschmutzungen betroffen sind.
(van  BERNEM 1996)
 

3.2. 

Ölbekämpfung

Der alles entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Ölunfallbekämpfung ist die Zeit. Sind Spezialschiffe zum Aufnehmen eines Ölteppichs nicht innerhalb weniger Stunden am Unfallort, kann der Ölteppich nicht mehr aufgesaugt werden. (van BERNEM 1996)

Um im deutschen Nordseeraum einen schnellen und effektiven Bekämpfungseinsatz zu ermöglichen, hat 2003 das infolge des Pallas-Unglücks gegründete Havariekommando seinen Betrieb aufgenommen. Mithilfe des Vorsorgeplans Schadstoffunfall wird die Bekämpfung von Schadstoffunglücken aller Art an der gesamten deutschen Küste koordiniert.

Mittel zur Ölbekämpfung 

Im Folgenden wird kurz auf einige mechanische und chemische Möglichkeiten eingegangen, wie man Öl aus dem Wasser zu entfernen kann. Die erste Maßnahme ist häufig der Einsatz von Ölbarrieren und Spezialschiffen; erstere dämmen das Öl ein und sogenannte Skimming-Schiffe schöpfen es anschließend ab. Diese Methode setzt aber voraus, dass ruhige See herrscht und der Ölteppich noch recht dick ist, der Einsatz muss also innerhalb weniger Stunden nach Austreten des Öls erfolgen.

Eine andere Möglichkeit ist der Einsatz von Dispergatoren: dies sind Chemikalien, welche das Öl stärker in der Wassersäule verteilen und das Haften am Sediment verhindern. Somit wird vermieden, dass ein zusammenhängender Ölteppich die Küste erreicht. Der Einsatz von Dispergatoren ist allerdings stark umstritten: erstens ist die Ausbringung der Dispergatoren sehr schwierig, zweitens zeigen zahlreiche Experimente, dass Öl-Dispergator-Gemische toxischer sind als das Öl allein.

(van BERNEM 1996) 

  WWW-Link

Verschiedenste Hilfsmittel wurden entwickelt, um ausgetretenes Öl an der Ausbreitung zu hindern und zu beseitigen. Doch gerade auf dem Wasser ist die Bekämpfung oft sehr schwierig. Einige Standardhilfsmittel sollen hier genannt werden. Man sollte jedoch im Hinterkopf behalten: Ungünstige Wetterbedingungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Tankerunfälle und erschweren gleichzeitig die Bekämpfungsmaßnahmen erheblich.

Ölsperren
Mit Ölsperren, z.B. luftgefüllten Plastikrahmen, die an der Wasseroberfläche treiben, wird die vertikale Ausbreitung eines Ölteppichs gebremst. Sie können außerdem mit saugfähigen Stoffen beschichtet sein. Bei entsprechendem Seegang kann das Öl jedoch über die Sperren treten.

Ölpumpen
Mit Pumpen kann das Öl direkt von der Wasseroberfläche abgepumpt werden. Ist es jedoch schon zu stark verklumpt, versagt die Methode.

Ölabsorptionsmittel
Diese Stoffe werden ausgebracht, damit sie das Öl aufsaugen. Die schwimmfähigen Bindemittel können oft ein vielfaches ihres eigenen Gewichts aufsaugen und bleiben zeitweilig schwimmfähig. Sie können dann aufgenommen und entsorgt werden. Beim Einsatz solcher Absorptionsmittel sollte jedoch deren Umweltverträglichkeit berücksichtigt werden.

Öl-Mop
Hierbei handelt es sich um ein vollautomatisches Gerät, welches bis zu 16 m3 Öl aufnehmen kann. Von nur einer Person bedient, lässt es sich horizontal und vertikal einsetzten. Eine dicke Schnur aus Polypropylen, an der das Öl anhaftet, wird über ein Rollensystem verlegt und kann bis zu 100 Meter weit das Wasser reinigen.
Nachteile dieses Gerätes:
Es kann nur auf offener, ruhiger See arbeiten. Im Küstenbereich und bereits bei einem Wellengang von mehr als 0,5 m lässt es sich nicht mehr einsetzen. Zur Zeit sind in Deutschland elf Öl-Mops im Einsatz, neun an der Nordsee und zwei weitere an der Ostsee (Rostock, Stralsund). Die Anschaffungskosten betragen 50.000 DM.

 

4. 

Quellen

Van Bernem, C. & Lübbe, T. (1997): Öl im Meer: Katastrophen und langfristige Belastungen, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 177 Seiten
NVN/BSH (1998): Ölverschmutzungen. In: Natur 8/98, Sonderbeilage
SRU (2004): Meeresumweltschutz für Nord- und Ostsee, Sondergutachten des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen, im Auftrag der Bundesregierung, Drucksache 15/2626, 265 S.
 

5. 

Zu Autoren und Projekt

Das vorliegende Themenmodul ist Ergebnis des Projektes Wer, Wie, Watt? - Ein online Informationssystem zu Nutzungen und Schutz im Wattenmeer.

Im Zeitraum von Oktober 2006 bis Mai 2007 arbeiteten im Rahmen des Projektes 42 Zivildienstleistende verschiedener Umweltinstitutionen Schleswig-Holsteins und Niedersachsens an der Infoplattform. Ziel ist es, über verschiedene Nutzungen des Wattenmeers und daraus erwachsenden Konflikte aufzuklären.

Das Infosystem wird auch künftig zur Dokumentation von Projektarbeiten an der Schutzstation Wattenmeer dienen. Projektarbeiten können im Rahmen der Ausbildung von Zivildienstleistenden, Teilnehmerinnen des Freiwilligen Ökologischen Jahres oder auch im Rahmen des Studiums angefertigt werden. Die im Naturschutz Engagiertebekommen so die Gelegenheit, die von ihnen zusammen getragenen Informationen einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Dieses Modul wurde erstellt von Frieder Barthel & Verena Lutz.

Die Autoren verrichteten 2006/2007 ihren Zivildienst bzw. ein Praktikum bei der Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer e.V.

Ziel des 1962 gegründeten privaten Vereins ist es, durch vielfältiges Wirken Verständnis und Faszination für das "Ökosystem Wattenmeer" und die Nordsee zu wecken, und somit Schutz und Schutzbereitschaft für diese Lebensräume zu erhöhen.

 

6. 

Impressum & Kontakt

Website:

www.ikzm-d.de/werwiewatt

 

Rahmen:

Das online Infosystem Wer, Wie, Watt? dient seit Herbst 2006 zur Dokumentation der Projektarbeiten von Zivildienstleistenden, FÖJ-TeilnehmerInnen, PraktikantInnen und weiteren bei dem gemeinnützigen Verein Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer e.V. Engagierten. Projekte können zum Beispiel Teil von Ausbildungsseminaren oder Studium sein. Die erste Version des Infosystems wurde von Zivildienstleistenden des Jahrganges 2006/2007 im Rahmen eines Kooperationsprojektes der gemeinnützigen Vereine EUCC-Deutschland und Schutzstation Wattenmeer erstellt.

 

Inhalt:

 

 

 

Träger:

Einführung in die wesentlichen menschlichen Nutzungen und Einflüsse auf das Wattenmeer sowie Betrachtung von Konflikten, die sich aus den unterschiedlichen Perspektiven der Naturschützer und der Nutzer ergeben.

 

Das Infosystem Wer, Wie, Watt? wird angeboten von den Vereinen Naturschutzgesellschaft Wattenmeer e.V. und EUCC-Die Küsten Union Deutschland. Die Schutzstation Wattenmeer bildet im Auftrag des Landes Schleswig-Holstein Zivildienstleistende (ZDL) aus dem Naturschutz aus. Die EUCC-Deutschland setzt sich mit Aktivitäten im Bereich der Küstenbildung, der Informationsverbreitung und der Netzwerkarbeit für die nachhaltige Entwicklung der deutschen Küsten ein. Sie hat im Rahmen des Projektes das online-Werkzeug IKZM-D-Lernen bereit gestellt und sich an der Betreuung der ZDL beteiligt.

Gewähr/ Haftung:

Bei der Erstellung der Informationsmodule wurde große Sorgfalt geübt. Da es sich bei dem Infosystem um die Dokumentation der Projektarbeit von ZDL handelt, übernehmen die Träger für Aktualität und Richtigkeit der Inhalte keine Gewähr. Bei der Einstellung der Links waren uns keine unsittlichen und unseriösen Inhalte der verlinkten Seiten bekannt. Sollte Ihnen eine verlinkte Seite unseriös erscheinen, weisen Sie uns bitte darauf hin.

Urheber- und Kennzeichnungsrecht:

Es sind alle uns bekannten Quellen der verwendeten Texte, Abbildungen, Karten etc. gekennzeichnet. Sollte eine urheberrechtlich geschützte Fotographie verwendet worden sein, so geschah dies unbeabsichtigt. Entdecken Sie einen Fehler, so bitten wir Sie, sich an die unten genannten Kontaktadressen zu wenden und uns darauf aufmerksam zu machen.

Kontakt:

EUCC-Die Küsten Union Deutschland e.V.: eucc [@] eucc-d.de

Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer e.V.: r.borcherding [@] schutzstation-wattenmeer.de